Nachdem ich seit rund einem Pate einer kleiner Hilfsorganisation war und eine Patenschulung besucht hatte, beschloss ich, nunmehr auch meine Patenfamilie kennen zu lernen. Daher meldete ich mich dazu an, auf eigene Kosten an einer Patenreise nach Mexiko teilzunehmen.
Am Donnerstag, dem 02. Februar 2006, war es sodann soweit. Wir drei Paten Miguel, Uwe und ich trafen uns auf dem Frankfurter Flughafen mit einem Mitarbeiter der Stiftung namens Uwe. Unser Ziel sollte das Projekt in Tonatico in Mexiko sein.
Nach ca. 12,5 Stunden Flug mit einer Boeing 747 der Lufthansa landeten wir in Mexiko-City. Mexiko-City liegt auf über 2.000 Meter Meereshöhe. Die Stadt ist für ihren Smog bekannt. Diesen bekamen wir noch im Flugzeug direkt nach der Landung zu spüren. Nachdem wir am späten Abend Ortszeit in Mexiko-City gelandet waren, benötigten wir noch ca. 1 Stunde, um durch die Kontrollen am Flughafen zu gelangen. Wir wechselten dort zunächst einmal unser privates Geld in Pesos um und suchten sodann den McDonalds im Flughafen auf. Dort wollten wir uns mit Marita, einer jungen mexikanischen Frau, welche sich auch für das Projekt interessierte, treffen. Ebenso sollte uns dort Tomas, der örtliche Projektleiter abholen. Nach einer Stärkung und einigem Warten trafen alle ca. gleichzeitig ein.

Während sich die beiden Uwe noch ein wenig mit Marita unterhielten, fuhren Miguel und ich mit dem ersten PKW mit Tomas und dessen Freund in Richtung Tonatico los. Aufgrund der späten Stunde war der Verkehr in dieser zwanzig Millionen Einwohnerstadt erträglich. Allerdings machte die Stadt doch einen recht unsicheren Eindruck.
Zunächst fuhren wir aus Mexiko-City heraus in Richtung Toluca. Hierbei überquerten wir auf der mautpflichtigen Autobahn einen Pass, der ca. 3.000 Meter über Meereshöhe liegt. Diese Höhe spürten wir sogar sitzend im Fahrzeug. Nach ca. 3,5 Stunden Fahrt kamen wir in Tonatico an.
Tonatico ist ein kleinerer Ort mit ca. 20.000 Einwohnern in den Bergen südwestlich von Mexiko-City beziehungsweise südlich von Toluca. Hier checkten wir zunächst mit Hilfe von Tomas im Hotel Balneario ein. Dieses Hotel ist von seinem Komfort nicht mit den hier ansässigen Hotels vergleichbar. Das Hotel ist zwar sehr einfach aber auch sauber. Es gehört der Gemeinde. Die Einrichtung des Zimmers besteht lediglich aus einem Bett, einem Nachttisch, einem Bord mit Spiegel sowie einer Kleiderstange.

Nach dem langen Flug und der anschließenden Fahrt fielen wir sehr müde ins Bett. Wir wurden allerdings schon morgens ab ca. 06.00 Uhr durch laute Böllerschüsse geweckt. In Tonatico war gerade Fiesta. Diese lauten Böllerschüsse wiederholten sich alle 10 bis 15 Minuten und sorgten dafür, dass an einen weiteren Schlaf nicht zu denken war.
Ich zog mich daher an und begab mich in die Lobby des Hotels. Die Lobby ist lediglich eine Art große Halle mit einem Fernseher sowie einer Couch und 2 Sesseln. Dort traf ich den Paten Uwe, welcher das Projekt Tonatico bereits von vergangenen Besuchen her kannte. Gemeinsam gingen wir vom Hotel in das Ortszentrum Tonaticos, dass ca. 1 bis 1,5 Kilometer entfernt ist. Dabei machte die Stadt zunächst keinen sehr ärmlichen Eindruck. Mit der Armut der Menschen wurden wir erstmals ein wenig später konfrontiert.
In einem der teuersten Restaurants bestellten wir uns Kaffee und Rührei. Dies kostete umgerechnet ca. 2€ für das Frühstück sowie noch einige Pesos für den Kaffee. Nach einiger Zeit kam die zweite Gruppe mit Uwe Breininger, Marita und Miguel nach. Ebenso traf der örtliche Projektleiter Tomas mit seinem Schwager ein.
Während des Frühstücks besprachen wir die Tagesplanung. Eine Gruppe sollte mit Uwe zum Bürgermeister gehen, während die andere Gruppe zur Bank, sowie Lebensmittel einkaufen sollte. Ich schloss mich Tomas und seinem Schwager an. Wir fuhren mit dem Projektauto zunächst in den Nachbarort Ixtapan, um dort bei der Bank Geld einzuzahlen beziehungsweise zu wechseln. Von dort aus fuhren wir weiter in den örtlichen Supermarkt. Dieser Supermarkt hat eine Größe wie hier beispielsweise ein Plus-Markt. Allerdings arbeitet dort weit mehr Personal. Während Tomas an einem Extraschalter Lebensmittel für die Verteilung an die Patenfamilien bestellte, schaute ich mich ein wenig in dem Markt um. Kinderarbeit sowie Sicherheitspersonal sind dort anscheinend üblich. An den Kassen standen ca. 3 bis 4 Kinder, welche die Waren der Kunden in Tüten einpackten. Diese Kinder waren ca. 12 Jahre alt und arbeiteten, anstatt zur Schule zu gehen. Dies zeigte mir einmal mehr, wie wichtig das Projekt in Tonatico ist, um es Kindern zu ermöglichen zur Schule zu gehen, anstatt zu arbeiten. Interessant fand ich, dass sich die Kinder unauffällig immer so bewegten, dass diese nicht auf irgendwelchen Fotos sichtbar waren. Kinderarbeit ist wohl normal, aber diese per Foto zu dokumentieren war nicht erwünscht.
Dieser Einkauf und die Bestellung zogen sich bis zum frühen Nachmittag hin. Nachdem unser Fahrzeug von dem Personal des Supermarktes beladen worden war, fuhren wir zurück nach Tonatico ins Projektbüro. Dort trafen wir mit den anderen zusammen.

Nach einem kurzen Austausch der Erlebnisse fingen wir an, die Hilfspakete für die Patenfamilien zusammenzupacken.
Hiernach teilten wir uns wieder in 2 Gruppen auf. Die eine Gruppe verteilte die ersten 30 Pakete an die Familien, während die andere Gruppe Spielsachen für die Kinder als Geschenke einkaufen fuhr.
Nachdem ich mich Uwe Breininger und Marita zum Einkaufen von Spielsachen angeschlossen hatte und wir in Ixtapan einen Teil der Geschenke kaufen konnten, fuhren wir zurück nach Tonatico. Auf der dort stattfindenden Fiesta kauften wir noch mehr Spielsachen ein.
Eine solche Fiesta besteht aus Unmengen von Ständen, in denen alles nur Erdenkliche verkauft wurde.
Angefangen von Lebensmitteln, Süßigkeiten, Kleidung,
Töpfereiwaren, Handarbeiten bis zu Werkzeugen und Spielsachen gibt es dort fast
alles. Während der Dauer der Fiesta schlafen die Verkäufer oftmals in Ihren
Verkaufständen. Morgen konnten wir teilweise beobachten, wie an einem Karussel
der Chef die Kinder und Jugendlichen weckte, welche tagsüber dort arbeiteten. Diese schliefen mit Decken auf dem blanken Holzboden
des Karussels.
Nach dem Abendessen luden wir unsere Einkäufe im Projektbüro ab. Dort trafen wir die andere Gruppe wieder, welche von der Verteilung zurückkam. Diese hatte 29 der geplanten 30 Pakete verteilt.
Während Uwe , Marita und ich sodann ins Hotel zurückfuhren, ging die andere Gruppe Abendessen. Mittagessen hatten wir alle nicht gehabt.
Aufgrund der anstrengenden Reise und unserer Arbeit waren wir ziemlich müde und gingen zeitig ins Bett. An ein Ausschlafen am Freitag war jedoch nicht zu denken. Wir wurden wiederum mit Böllerschüssen geweckt. Alle 10 bis 15 Minuten wurden mehrere dieser Schüsse abgefeuert.
So trafen wir alle nacheinander bis ca. 9 Uhr in unserem Stamm-Frühstückslokal ein. Als Frühstück wählte ich Rührei mit Rindfleisch, was sich als ziemlich scharf gewürzt erwies.

Nach dem Frühstück begaben wir uns ins Projektbüro. Dort beluden wir den geliehenen Pickup mit den Hilfen für die Familien.
Wiederum teilten wir uns in zwei Gruppen auf. Eine Gruppe kaufte noch mehr Geschenke für die Kinder ein, während wir anfingen weiter die Hilfspakete an die Familien zu verteilen. Hierbei wurden wir als erstes direkt mit der Armut der Menschen dort konfrontiert.
Bereits in dem ersten Haus trafen wir auf eine Frau, welche dort in einem großen Steintrog per Hand Kleidung wusch. Diese freute sich sehr über die erhaltenen Hilfen. Nachdem wir uns mit ihr ein wenig über ihre Situation unterhalten hatten, setzten wir unsere Fahrt zu den nächsten Familien fort.

Nach einigen weiteren Familien würgte Tomas an einer Bodenrampe den Motor ab. Trotz vieler Versuche, längeren Zuwartens und Anschiebens war es nicht mehr möglich, den Motor zu starten. Daher hielten Uwe , Marita und ich ein Taxi an und fuhren zurück zum Büro nach Tonatico. Tomas blieb bei dem Pickup, um nach einer Weile nochmals einen Startversuch zu unternehmen. Im Büro trafen wir den Schwager von Tomas. Mit diesem fuhr ich allein zu dem geliehenen Pickup zurück. Am Pickup angekommen fanden wir allerdings keinen Tomas. Nach einigen Anrufversuchen erreichte ich diesen am Mobiltelefon. Dieser war mittlerweile mit einem weiteren Taxi und einem Mechaniker auf dem Weg zurück zu dem Fahrzeug. Dieser reparierte etwas am Vergaser und startete sodann den Pickup ohne Probleme. Wir fuhren sodann kurz zum Büro zurück und Tomas, sein Schwager und ich setzten sodann die Verteilung fort. Die anderen bleiben im Büro, um dort noch Arbeiten zu erledigen.
Die Familien, die wir antrafen waren alle sehr freundlich und sehr erfreut. Diese leben teilweise in erbärmlichen Zuständen.

Teilweise sind dies reine Hütten ohne Wasser, und Strom. Wir besuchten im Laufe des Nachmittages ca. 50 Patenkinder, die in ungefähr 20 bis 30 Familien leben. Tomas unterhielt sich mit jeder Familie und ließ sich die übergebenen Hilfen quittieren. Oft unterschrieben die Kinder selbst. Dies vermutlich deshalb, da diese im Gegensatz zu ihren Eltern schreiben konnten.
Mich bewegte sehr, dass die Hilfe für eine Familie mit mehreren Patenkindern oftmals das monatliche Einkommen des Familienvaters übersteigt. Die Not der Familien ist ein Teufelskreis. Ohne Bildung besteht keine Chance eine Arbeit zu bekommen, deren Einkommen ausreicht, um eine Familie zu ernähren und den Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen. Alleine die nötige Schuluniform übersteigt die Möglichkeiten vieler Familien. Dadurch sind diese gezwungen, ihre Kinder arbeiten zu lassen, mit der Folge, dass auch diese mangels Bildung später einmal nicht in der Lage sein werden, eigene Familien zu ernähren. Diesen Teufelskreis unterbricht das Projekt, in dem es die Familien solange unterstützt, wie die Kinder zur Schule gehen. Alleine der Kauf der Schuluniformen gibt den Patenfamilien die Möglichkeit, Ihre Kinder zur Schule zu schicken. Da Lehrer teilweise mit dem Problem konfrontiert waren, dass Kinder vor Hunger und Schwäche morgens von den Stühlen kippten, sorgen die Lebensmittelhilfen dafür, dass die Schule erfolgreich besucht werden kann.
Als eine der letzten Familien heute besuchten wir auch mein Patenkind. Dieses
war mit dem Vater alleine zu Hause. Mein Patenkind freute sich sichtlich über
den Besuch. Wir unterhalten uns zunächst nur kurz. Wo mein Spanisch nicht
reichte, half Tomas aus.

Ich lud sodann mein Patenkind und die gesamte Familie des Patenkindes für den nächsten Abend auf die Fiesta ein. Wir wollten uns um 19 Uhr an der Kirche treffen. Nachdem wir noch ein Paar Fotos zusammen machten, fuhren wir dann weiter.
Wir verteilten noch einige wenige Pakete und fuhren sodann zurück ins Büro. Dort hat die andere Gruppe inzwischen die gekauften Geschenke je nach Kind und Alter geordnet und Uwe seine Papierarbeit erledigt.
Während die anderen noch ein wenig Ordnung machten, installierte ich auf dem Computer in dem Projektbüro noch einige Programme für die Arbeit von Tomas. Da wir alle noch kein Mittagessen hatten und sehr hungrig waren, ließen wir die Installation alleine weiter laufen und gingen zusammen in ein Restaurant in Tonatico zum Abendessen. Auch hierbei begegneten wir wieder Kindern, welche sich ihr Einkommen durch arbeit finanzieren müssen.

Im Restaurant saßen wir noch eine Weile zusammen, bevor wir uns auf den Weg ins Hotel machten, um dort wieder zeitig und müde ins Bett zu fallen.
Am nächsten Samstagmorgen wurden wir von den üblichen Schüssen geweckt. Wir trafen uns wieder in dem Restaurant im Zentrum Tonaticos zum Frühstück. Hiernach gingen wir ins Büro und legten fest, wer welche Aufgaben erledigen sollte. Eine Gruppe setzte die Verteilung der übrigen Pakete fort, während Uwe, Marita und ich im Büro blieben, um dort Büroarbeiten zu erledigen. Dafür hatten wir heute Mittag Zeit, ein Mittagessen zu uns zu nehmen. Kaum waren wir hiermit fertig, stießen bereits die anderen hinzu.
Nach dem Essen gingen wir gemeinsam ins Büro. Dort wartete bereits ein Bewerber, der gerne unsere Projektarbeit unterstützen wollte. Ich machte mich wieder an den Computer, um dort noch einige Programme zu installieren. Andere kauften noch ein Paar Kleinigkeiten ein, da wir beabsichtigen, am nächsten Tag eine Feier für die Kinder zu veranstalten.
Hiernach gingen wir zurück ins Büro und ruhten uns ein wenig aus. Um 19.00 Uhr trafen Miguel und ich sodann uns mit unseren Patenfamilien an der Kirche. Meine Patenfamilie wartete bereits als wir kurz vor 7 Uhr dort eintrafen. Sogar die große Schwester war aus Toluca gekommen. Diese hat ein Stipendium und angefangen Jura zu studieren. Die Mutter meines Patenkindes ging an 2 Krücken. Die gesamte Familie freute sich sehr, mich zu treffen. Deren Freude sprach aus ihrer gesamten Mimik und den Augen. Diese strahlten über alles. Der Vater meines Patenkindes war eher ein wenig zurückhaltend. Ebenso wie die kleine Schwester. Mein Patenkind brannte sichtlich darauf, sich mit mir zu unterhalten. Da mein Spanisch nicht sehr gut ist, half Miguel aus. Dieser wartete noch auf seine Patenfamilie, die ein wenig später eintraf. Die große Sorge der Mutter meines Patenkindes war, was passiert, wenn mein Patenkind eine weiterführende Schule in Toluca besuchen sollte. Ich beruhigte sie und sagte ihr, dass die Patenschaft solange weiter besteht, solange mein Patenkind eine Schule oder Ausbildung besucht und sie mit ihrem Mann weiter in Tonatico wohnt.
Um das Eis ein wenig zu brechen, gingen wir auf die Fiesta. Wir starteten an einem Stand mit Luftgewehrschießen. Zur allgemeinen Erheiterung und Auflockerung trug bei, dass dort nicht um Gewinne geschossen wurde, sondern dass bei einem Treffer beispielsweise ein Bär Wasser auf die Zuschauer spritzte. Weiter gingen wir zu den Autoscootern. In dem Autoscooter fuhren die Patenkinder von Miguel in einem Autoscooter, mein Patenkind mit Schwester sowie Miguel und ich in einem Autoscooter. Hierbei bauten wir naturgemäß gegenseitig sehr viele Karambolagen.

Während wir sehr viel lachten, standen die Eltern der Patenkinder am Rand und schauten uns zu. Diese lächelten sichtlich in sich hinein und freuten sich, ihre Kinder lachend und glücklich zu sehen. Von den Autoscootern schleiften uns die Patenkinder in ein Karussell, das die Mitfahrenden in wilden Bewegungen kopfüber in den Himmel katapultierte und eigentlich nur dazu gedacht war, einen Brechreiz zu provozieren. Wir gaben nach und setzten uns in dieses Karussell. Die Sicherheitsvorkehrungen dort waren nicht gerade Vertrauen erweckend. Es gab einen Bügel, der den Körper in den Sitz presste und dafür sorgen sollte, dass man bei den Kopfüberschleuderbewegungen nicht aus dem Karussell fiel. Dieser Bügel wurde noch durch eine Leine mit einem Karabinerhaken gesichert. Eine richtige Kontrolle, ob dieser Karabinerhaken geschlossen war, fand nicht statt. Während Miguel in diesem Karussell rot anlief, gab sein Patenkind ihm den Tipp, dass er ganz ruhig atmen sollte, um dies besser zu überstehen. Mein Patenkind verlor in diesem Karussell auch jegliche Scheu. Er erzählte mir, dass er mit seinen knapp 14 Jahren bislang noch nie Karussell gefahren war. Nachdem wir aus diesem Karussell mühsam entstiegen, Miguel rot, ich weiß, waren die Patenkinder von uns sichtbar glücklich. Auch die Mamas und Papas der Patenkinder strahlten und sahen sehr, sehr glücklich aus. Nach diesem Horrorkarussell schleiften uns die Patenkinder in das nächste Karussell. Dabei handelte es sich um eine Scheibe, welche sich schnell drehte und dabei gleichzeitig noch Schüttelbewegungen nach oben und unten durchführte. Während dieses wilden Drehens und Schüttelns bekamen Miguel und ich wieder unsere gewohnte Gesichtsfarbe. Miguel rot und ich kreidebleich.

In diesem Karussell fuhr ich mit der kleinen Schwester meines Patenkindes. Mein Patenkind Vicente fuhr mit seinem Vater und war richtig froh, etwas Vergnügliches mit seinem Vater machen zu können. Miguel und mir ging es richtig schlecht in diesem Karussell. Während der Wipp-Bewegungen knirschte es vernehmlich. Dies trug noch mehr zur Steigerung unseres Gesichtsausdruckes bei. Aber unsere Patenkinder hatten sichtlich ihren Spaß hierbei. Als Miguel später sein Patenkind fragte, was das Beste von allem an diesem Tag war, antwortete sein Patenkind, das Beste war unser Gesichtsausdruck: Miguel rot und ich, kreidebleich.
Nach diesem Karussell waren die Patenfamilien alle sehr glücklich und Miguel und ich sehr fertig. Die Patenkinder und Geschwister freuten sich offen, während die Eltern still in sich hinein strahlen.
Nach diesem Karussell benötigten Miguel und ich eine Pause. Wir gingen in ein nahe gelegenes Restaurant und bestellten eine Kleinigkeit zu essen und zu trinken. Da wir unser Essen aufgrund der Karussels nicht hinunten bekamen, wandert das meiste zu den Partenkindern.
Auf die Gelegenheit in Ruhe mit mir zu sprechen hatte mein Patenkind schon lange gewartet. Es wollte von mir alles wissen. Was ich für Hobbys habe, was ich genau arbeite, welche Musik ich mag, welche Spiele ich mag etc. Ich merkte richtig, wie mein Patenkind und dessen Eltern mich richtig gut leiden konnten. Vicente erzählte mir mit Händen und Füßen sowie mit seinem schnell gesprochenen Spanisch, dass ich nur teilweise verstand, wie er sich den Arm gebrochen hatte, und dass er Probleme mit der Gesundheit, wie beispielsweise Kopfschmerzen, Blutdruck etc. hatte. Wenn es mit der Verständigung überhaupt nicht mehr ging, half Miguel aus.

Miguel unterhielt sich noch mit der Mutter meines Patenkindes über die Organisation. Diese wünschte sich z.B. in den Essenspaketen etwas öfter Bohnen anstatt Reis. Sie ist aber sonst wohl sehr zufrieden.
So saßen wir eine Weile zusammen und unterhalten uns mit Händen und Füßen und hatten eine Menge Spaß zusammen. Miguels Patenkind und dessen Schwester machten die ganze Zeit Fotos mit Miguels Kamera. Vicente, mein Patenkind, sagte mir, dass er mir gerne alle Sehenswürdigkeiten von Tonatico zeigen wollte. Ich vertröstete ihn auf den nächsten Besuch, den ich bereits für den März geplant hatte. Ich sagte ihm auch, dass ich gerne sein Pate sei und ihn solange unterstütze, wie er mich während seiner Schul- oder Ausbildungszeit braucht. Ich sagte ihm auch, dass ich es toll finde, dass er anfing, eine Fremdsprache zu lernen. Gegen 22.00 Uhr gingen wir auf das Feuerwerk, das auf dem Platz an der Kirche stattfand. Wir machten hierbei noch eine Menge Späße zusammen bevor wir uns kurz vor 23.00 Uhr, am Ende des Feuerwerkes, trennten. Die Patenfamilien gingen nach Hause und Miguel und ich direkt im Hotel ins Bett.
Am nächsten Sonntag, nach den üblichen Kanonenschüssen zum Wecken, trafen wir uns zum Frühstück wieder im Restaurant im Zentrum des Ortes. Hiernach gingen wir ins Büro und bereiteten das Kinderfest, das an diesem Nachmittag stattfinden sollte, vor. Tomas und ich fuhren mit einem Teil der Sachen zum Schmücken bereits in den Park, in dem dieses Fest stattfinden sollte. Dort warteten bereits einige Damen, die direkt mit Schmücken anfingen. Ich blieb alleine dort, während Tomas weiteres Material holte. Uwe versuchte, eine Kapelle zu organisieren. Den Damen konnte ich klarmachen, wo diese überall schmücken sollten, damit wir genug Platz in dem Park für uns und unsere Patenfamilien reserviert hatten.
Wir feierten hierbei in dem Park „El Salto“. Dieser ist an einem Wasserfall gelegen. Es gab dort in dem Park viele Grillplätze, Becken mit Wasser zum Plantschen sowie einen Kiosk. Der gesamte Park füllte sich sehr schnell. Nach und nach trafen auch die Patenfamilien mit den Kindern ein. Als eine der letzten kam mein Patenkind mit seinen beiden Schwestern. Mein Patenkind zog mich direkt aus der Feier raus und fragte, ob wir beide zu zweit einen Rundgang durch den Park machten. Hierbei unterhielten wir uns ziemlich gut. Als wir zurückkamen, waren bereits alle anderen eingetroffen. Uwe hielt eine kurze Ansprache und sodann gab es für alle Patenfamilien etwas zu essen. Die organisierte Kapelle hatte sich direkt wieder verdrückt, so dass wir vor Ort einen Gitarrenspieler zum Musizieren engagierten. Tomas sowie einige Damen vom örtlichen Sozialbüro veranstalteten Spiele.

Weiterhin verteilten wir die eingekauften Geschenke an die Kinder.
Uwe Breininger, mein Patenkind Vicente und ich organisierten noch Wasserpistolen sowie Wasser, um mit den Kindern zur Auflockerung ein wenig Wasserschlacht zu spielen. Alle hatten sichtlich ihren Spaß.

Nachdem gegen Abend nach und nach alle Familien das Fest verlassen hatten, fuhren wir in das Restaurant in der Nähe unseres Hotels. Dort trafen wir Jürgen, der in Tonatico lebt. Dieser ist Rentner und mit einer Mexikanerin verheiratet. Er fragte, ob er ehrenamtlich das Projekt ebenfalls unterstützen dürfte. Wir notierten uns seine Adresse, um gemeinsam zu überlegen, wie Jürgen unser Projekt weiter voranbringen könnte.
Nach dem Essen gingen wir zusammen auf die Fiesta, da dies angeblich letzte Tag sei. Wir setzten uns in ein Restaurant und betrachteten das Treiben und unterhalten uns. Hierbei kamen desöfteren Musikanten vorbei, sowie kleine Kinder, die mit Arbeiten Geld für die Familien verdienen wollten.
Am nächsten Morgen war Uwe Breininger, als ich aufwachte, bereits im Büro. Ich lief zu ihm hinunter. Später kam auch der andere Uwe dazu. Miguel fühlte sich nicht sehr gut und blieb im Hotel. Wir machten ein wenig Büroarbeit und überlegten, wie wir das Projekt weiter voranbringen könnten. Gegen 10.00 Uhr besuchten wir eine Schule, in der eine Lehrerin zu einer Infoveranstaltung für interessierte Eltern eingeladen hatte. Da dieser Montag Feiertag war, konnten wir einen Unterricht nicht besuchen. Wir informierten die Eltern, welche Hilfe die DHST gibt, und welche Voraussetzungen hieran gebunden sind.

Gegen Mittag waren wir sodann von dem Bürgermeister zum Essen eingeladen worden. Wir unterhielten uns recht nett mit diesem und gingen hiernach zurück ins Hotel.
Nach einigem Ausruhen besuchten wir nochmals mein Patenkind. Ich unterhielt mich recht nett mit dem Vater und Vicente über alle möglichen Dinge. Der Vater von Vicente erzählte mir, dass er seit seinem 6. oder 7. Lebensjahr alleine ohne Eltern aufgewachsen war und niemals die Schule besucht hatte. Mit Vicente unterhielt ich mich über Sport, Schule etc. und sagte ihm, wie gut ich es finde, dass er Englisch lernte, damit wir uns zukünftig noch leichter unterhalten könnten.
Hiernach fuhren wir noch mal eine Runde oberhalb von Tonatico und schauen uns die Veränderungen des Ortes in den letzten Jahren an. Sodann fuhren wir in das Zentrum von Tonatico und setzen uns in ein Restaurant. Da Feiertag war, war zunächst nicht viel los. Um 19.00 Uhr öffnete sodann nochmals die Fiesta.

Gegen 20.00 Uhr traf sich Miguel sodann nochmals mit seinem Patenkind und dessen Eltern. Wir unterhielten uns alle gemeinsam. Da Miguel noch Probleme mit seinem Magen hatte, ging ich alleine mit seinem Patenkind Autoscooter fahren sowie in ein anderes Karussell. In die Karussells von dem ersten Treffen mit den Patenkindern weigerte ich mich zu gehen auch wenn ich dafür ausgelacht wurde. Wir hatten trotzdem jede Menge Spaß. Gegen 23.00 Uhr trennten wir uns sodann und fuhren zurück zum Hotel.
Am nächsten Morgen trafen wir uns im Büro und gingen von dort aus noch einmal frühstücken. Da wir bereits alle aus dem Hotel ausgecheckt hatten, sortierten wir im Büro nochmals die Sachen für die Abreise. Gegen 13.00 Uhr fuhr uns Tomas zum Busbahnhof in Tonatico. Dort nahmen wir den Bus nach Toluca. Toluca ist eine recht große Stadt mit mehreren 100.000 Einwohnern. Da es dort mehrere Busbahnhöfe gibt, fuhren wir mit dem Taxi zu dem nächsten Busbahnhof, von dem aus ein Bus zum Flughafen nach Mexiko City fahren sollte. Als ich dort nach Tickets fragte, wurde uns mitgeteilt, dass die mautpflichtige Autobahn gesperrt sei und daher kein Bus fuhr. Wir nahmen uns daher ein Taxi von Toluca nach Mexiko City. Der Taxifahrer kannte die Schleichwege um Toluca und um das Chaos auf der Autobahn herum. Teilweise durch Wohngebiete mit ihren Rampen sowie Landstrassen überquerten wir den Pass nach Mexiko City und erreichten ein wenig später als geplant den Flughafen. Es blieb allerdings noch genug Zeit, uns bei McDonalds zu stärken. Das Einchecken ging ohne Probleme und wehmütig flogen wir nach Deutschland zurück. Miguel begleitete uns nicht, da dieser noch nach Acapulco fahren wollte. Der Flug nach Deutschland verlief ohne besondere Vorkommnisse. In Deutschland angekommen, erwarteten und 4 Grad Celsius sowie Regen. Die durchschnittlich 27 Grad in Tonatico vermissten wir alle.